Pico Peering Agreement v1.0

Freifunk wird durch private Geräte vieler Eigentümern bereitgestellt. Diese Geräte verbinden sich miteinander gleichrangig zu Netzen (Peering), in denen Daten auch für Dritte frei transportiert werden. Für diese Verbindung und ihrer Nutzung wurde ein minimales Regelwerk geschaffen, dass Pico Peering Agreement, dass ich in der deutschen Fassung hier kopiert habe. (Kleine Tippfehler des Originals habe ich korrigiert).

Preambel

Mittlerweile gibt es viele Community-Netzwerke, diese sind jedoch geographisch und sozial voneinander getrennt und bilden kein zusammenhängendes Netzwerk.
Dieses Dokument ist ein Ansatz (Versuch), diese Netzwerkinseln miteinander zu verbinden, indem es die minimale, grundsätzliche Vorlage für ein „Peering“-Abkommen (Verbindungsabkommen, Bündnisabkommen) zwischen den Eigentümern individueller Netzwerkknoten liefert: das PicoPeeringAgreement (PPA).

Das PPA ist eine formalisierte Beschreibung der Verbindung zwischen zwei Netzwerk-Instanzen (peers). Eigentümer einer Netzwerkinfrastruktur machen von ihrem Eigentumsrecht Gebrauch, indem sie ihr Einverständnis dafür geben, einen Teil ihrer Infrastruktur für den freien Datenaustausch über ihr Netzwerk bereitzustellen.

Das PPA wird auf http://picopeer.net von einer Gruppe Freiwilliger aus verschiedenen Ländern der Welt gepflegt (maintained). Es soll als Vorlage für weitere Kleinst-Verbindungsabkommen und Verträge dienen.

Vereinbarung

1. Freier Transit

  • Der Eigentümer bestätigt, freien Transit über seine freie Netzwerkinfrastruktur anzubieten
  • Der Eigentümer bestätigt, die Daten, die seine freie Netzwerkinfrastruktur passieren, weder störend zu beeinträchtigen noch zu verändern.

2. Offene Kommunikation

  • Der Eigentümer erklärt, alle Informationen zu veröffentlichen, die für die Verbindung mit seiner Netzwerkinfrastruktur notwendig sind.
  • Diese Information soll (muss?) unter einer freien Lizenz (free licence) veröffentlicht werden.
  • Der Eigentümer erklärt, erreichbar zu sein und wird dazu wenigstens eine E-Mail-Adresse bekanntgeben.

3. Keine Garantie (Haftungsausschluss)

  • Es wird keinerlei garantierter Dienst (Betrieb, Service) vereinbart. (Es gibt keine Garantie für die Verfügbarkeit / Qualität des Dienstes.)
  • Der Dienst (Betrieb, Service) wird ohne Gewähr bereitgestellt, ohne Garantie oder Verpflichtung jedweder Art.
  • Der Dienst (Betrieb, Service) kann jeder Zeit ohne weitere Erklärung beschränkt oder eingestellt werden.

4. Nutzungsbestimmungen

  • Der Eigentümer ist berechtigt, eine akzeptierbare Benutzungsrichtlinie (use policiy) zu formulieren.
  • Diese kann Informationen über zusätzlich (neben den grundsätzlich) angebotene Dienste enthalten.
  • Dem Eigentümer steht es frei, die Richtlinie selber zu formulieren, so lange diese nicht den Punkten 1 bis 3 dieser Vereinbarung widersprechen (siehe Punkt 5).

5. Lokale (individuelle) Zusätze

  • Hier können vom Eigentümer selbst Ergänzungen zur Vertragsvereinbarung vorgenommen werden.

Begriffserklärungen

  • Eigentümer: Der Eigentümer verfügt über das Recht, seine Netzwerkinfrastruktur zu betreiben und einen Teil ihrer Funktionalität für das freie Netzwerk (FreeNetwork) bereitzustellen (zu stiften, zu spenden).
  • Transit: Transit ist der Austausch von Daten in ein Netzwerk hinein, heraus oder durch ein Netzwerk hindurch.
  • Freier Transit: Freier Transit bedeutet, dass der Eigentümer weder Gebühren für den Transit von Daten erhebt, noch die Daten verändert.
  • Freies Netzwerk: Das Freie Netzwerk ist die Summe der miteinander verbundenen Hard- und Software, dessen Anteil für den freien Transit vom Eigentümer dieser Ressourcen zu Verfügung gestellt wird.
  • Der Dienst: Der Dienst (Betrieb, Service) besteht aus freiem Transit und zusätzlichen Diensten.
  • Zusätzliche Dienste: Im Sinne des PPA ist ein Zusätzlicher Dienst alles war über freien Transit hinaus geht. Zum Beispiel die Bereitstellung eines DHCP-Servers, WEB-Servers oder Mail-Servers.

Das PPA in der Praxis

Das PPA soll nach vereinbarten Standards in maschinenlesbarer Form in Community-Node-Datenbanken (nodeDBs) eingebaut werden, um die automatische Vernetzung solcher Knoten (Nodes) zu ermöglichen.

Informationen über die Router

Heute wurde mir die Frage gestellt, ob es eine stets aktuelle Datei gibt, in der alle Nodes des Netzes aufgeführt sind.

Ja, gibt es. Diese Datei nennt sich nodes.json und liegt auf dem Map-Server. Sie ist dort etwas versteckt unter
https://map.freifunk-rhein-sieg.de/data/mv/nodes.json zu finden. Diese Unterverzeichnisse auf dem Map-Server sind leider nicht indiziert und ein Aufruf der Verzeichnisse liefert den Fehler 404.

Wer ein paar Beispiele braucht, wie diese Datei in JavaScript eingebunden werden kann, der schaue mal in meinem Wiki nach.

Freifunk für Schornbusch (Fortsetzung)

Erste Router in Schornbusch
Erste Router in Schornbusch

Es dauert immer so lange, wie es dauert. Heute haben wir die ersten Indoor Router in Schornbusch aufgestellt. Die Installation der Outdoor Router ist für nächste Woche Dienstag oder Mittwoch geplant.

Trotz der metallischen Wände und eines ungünstigen Standortes vernetzen sich drei Router problemlos untereinander. Der vierte Router findet jedoch nur den Router im Nachbarhaus. Mit etwa -80 dBm ist die Signalstärke jedoch sehr gering. Dass die Router trotzdem eine ausreichende TQ und stabile Verbindung erreichen, dürfte der Tatsache zu verdanken sein, dass Schornbusch bisher eine WiFi-Wüste war. Sprich: Es gibt keine anderen Netze, die um Frequenzen und Bandbreite mit dem Freifunk konkurrieren.

Unter den gegebenen Umständen erreichen die Verbindungen der Router untereinander 40 bis 50 MBit/s. Ins Internet gehen aber nur 1 MBit/s. Dies kann aber auch an der Last auf dem dem Server im Internet liegen. (Bei über 200 Clients, die in Rheinbach gleichzeitig Online sind, bräuchten wir eigentlich zwei oder drei eigene Server.)

Im Bild zum letzten Artikel hatte ich die Router fälschlich auf den Tennisplätzen positioniert. Wenn die restlichen Router online sind, werde ich sie in die richtige Position rücken. Da fällt mir aus: Jemand (wer auch immer) müsste die Gebäude in Schornbusch bei OpenStreetMap eintragen.

Kaum waren die ersten Router installiert, waren auch schon die ersten Clients im Netz. Es ist immer wieder faszinierend, wie schnell diese Freifunknetze gefunden werden. Während des Jahrmarkts fanden Hunderte den Weg ins Freifunknetz. Allerdings dürften die kleinen Router mit dem Datenverkehr, den dies mit sich bringt, überfordert gewesen sein. Wir brauchen mehr Router und mehr Internetanschlüsse, damit Freifunk auch Spaß macht. Wenn Router mit einem Bruchteil der Geschwindigkeit Router aufgestellt würden, mit der sie gefunden werden, hätten wir flächendeckend Freifunk.

Koalition schafft rechtliche Hürden für offenes WLAN ab

Im zähen Streit um ein neues Telemediengesetz haben Union und SPD den Weg für offene private WLAN-Hotspots in Deutschland freigemacht. Die Koalitionsparteien einigten sich am 11.05.2016 darauf, Hotspot-Betreiber nicht mehr für Straftaten und Ordnungswidrigkeiten der Nutzer verantwortlich zu machen. Mehr bei beck-aktuell.

Freifunk und Störerhaftung

Hier ein Video zur Störerhaftung und der aktuellen Entwicklung beim EuGH.

Paukenschlag! Der Generalanwalt am Europäischen Gerichtshof sieht keine Haftung für offene WLAN Betreiber!

Meines Erachtens sind auch Privatpersonen als Dienstleister von der Störerhaftung gem. Telemediengesetz ausgenommen, denn der §2 definiert wann einen natürliche Person Dienstleister ist.

… ist Diensteanbieter jede natürliche oder juristische Person, die eigene oder fremde Telemedien zur Nutzung bereithält oder den Zugang zur Nutzung vermittelt; …

und §8 führt aus:

Diensteanbieter sind für fremde Informationen, die sie in einem Kommunikationsnetz übermitteln oder zu denen sie den Zugang zur Nutzung vermitteln, nicht verantwortlich, sofern sie

  1. die Übermittlung nicht veranlasst,
  2. den Adressaten der übermittelten Informationen nicht ausgewählt und
  3. die übermittelten Informationen nicht ausgewählt oder verändert haben.

Sowohl Die Definition des Dienstleisters in §2 als auch die Art der Tätigkeit in §8 trifft auf Freifunker zu. Aber dazu gibt es noch kein Urteil. Alle Verfahren gingen bisher schon aus anderen Überlegungen zu Gunsten der Freifunker aus.